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Was wäre die Speedmaster ohne die Mondlandung?

Durch die Mondlandung der Apollo-11-Crew ist die Omega Speedmaster zu einer Legende geworden. Doch was wäre, wenn die Moonwatch gar nicht an den NASA-Missionen teilgenommen hätte? Ein Gedankenspiel zum 50. Jubiläum der ersten Mondlandung.

62 Jahre Speedmaster, 50 Jahre Moonwatch

Die erste Omega Speedmaster (Referenz CK 2915) kam im Jahr 1957 auf den Markt. Sowohl an der Namensgebung als auch an der Tachymeter-Skala auf der Lünette lässt sich erkennen, dass die Uhr ursprünglich für den Motorsport gedacht war. Doch schon kurze Zeit später, genauer gesagt im Oktober 1962, kam alles anders: Im Zuge des Mercury-Programms brachte Walter Schirra mit der Referenz CK 2998 zum ersten Mal eine Omega Speedmaster ins Weltall. Schirra hatte die Uhr allerdings selbst gekauft und nicht als Teil der Ausrüstung von der NASA erhalten.

Als das Mercury-Programm beendet wurde und die Gemini-Missionen im Jahr 1963 in den Startlöchern steckten, kam erstmals die Frage nach einer Armbanduhr für die Einsätze auf. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Stand der Ausrüstung noch immer in der Forschungsphase. Laut NASA-Memos bedurfte es eines sehr langlebigen und präzisen Chronographen („highly durable and accurate chronograph to be used by Gemini and Apollo flight crews“). Ende 1964 wurden schließlich drei verschiedene Chronographen (mehr Hersteller reagierten auf die Anfrage der NASA nicht) einem gnadenlosen Test unterzogen, der höchste Ansprüche die Widerstandsfähigkeit der Uhren stellte. Die von Omega zur Verfügung gestellte Speedmaster (Referenz ST 105.003) war die einzige Uhr, die diesen Test bestand.

Von diesem Zeitpunkt an zählte die Omega Speedmaster zur offiziellen Ausrüstung der NASA-Astronauten. Die Uhr begleitete sämtliche Weltraumprogramme, einschließlich der legendären Apollo-11-Mission, die in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969 mit der ersten Mondlandung ihren Höhepunkt erreichte.

Wenn die Speedmaster die anspruchsvollen Testkriterien der NASA nicht bestanden hätte, wären einige Dinge, wie wir sie heute kennen, vermutlich ganz anders gekommen:

1. Speedmaster als Teil der Seamaster-Serie

Ohne die Mondmissionen wäre die Speedmaster nicht so populär geworden, wie sie heute ist. Aus diesem Grund hätte die Speedmaster ohne die Teilnahme an den NASA-Programmen wohl auch keine eigene Linie innerhalb der Omega-Kollektion bekommen, sondern wäre bis heute Teil der Seamaster-Serie. Diesen Ursprung kann man auch bei aktuellen Modellen übrigens noch am Seepferd auf dem Gehäuseboden erkennen. Zudem trüge die Speedmaster nicht den Zusatz „Professional“, da dieser nur aufgrund der erfolgreichen NASA-Zertifizierung eingeführt wurde.

2. Es gäbe kein klassisches Modell der Speedmaster mehr

Beim Betrachten der gesamten Omega-Kollektion fällt auf, dass die Speedmaster Professional Moonwatch das einzige Modell der Schweizer Manufaktur ist, das in rund sechs Jahrzehnten kaum verändert wurde. Noch immer verfügt die Uhr über Aluminium-Lünette, Handaufzugswerk und Hesalitglas. Ohne den legendären Einsatz der Uhr im Weltall gäbe es dieses klassische Modell allerdings schon lange nicht mehr. Dass dieses noch immer in fast unveränderter Form hergestellt wird, hat einen simplen Grund: Man bewahrt die Uhr so, wie sie von der NASA zertifiziert wurde, damit die Ikone weiterhin erhältlich ist. Ohne die einzigartige Weltraum-Geschichte hätte das Standardmodell der Speedmaster heute mit Sicherheit eine Keramik-Lünette, ein Automatikkaliber und ein Saphirglas.

3. NASA-Missionen ohne Armbanduhr

Der Gedanke, dass die NASA beim Versagen der Speedmaster auf eine andere Uhr zurückgegriffen hätte, liegt nah. Man muss sich jedoch vergegenwärtigen, dass keine andere Uhr den Test in den 1960er Jahren bestanden hat. Und eine Uhr ohne entsprechende Eignung hätte ein enormes Sicherheitsrisiko dargestellt, da ihre Verlässlichkeit nicht gewährleistet gewesen wäre. Es gab eine NASA-interne Liste mit zehn in Betracht kommenden Uhrenherstellern, jedoch wurden der NASA neben der Speedmaster lediglich zwei andere Uhren zur Verfügung gestellt und getestet: Ein Chronograph von Longines-Wittnauer bestand den Temperatur- und Dekompressionstest nicht, da sich das Glas löste. Die Rolex Ref. 6238 (Pre-Daytona) bestand den Luftfeuchtigkeitstest nicht.

Die Omega Speedmaster Professional X-33 ist bis heute die zweite Omega-Uhr, die eine NASA-Zertifizierung besitzt. Die Uhr kam allerdings erst im Jahr 1998 auf den Markt.

4. Die Apollo-13-Mission wäre tödlich verlaufen

Im Jahr 1970 kam es beinah zur Katastrophe: Knapp 56 Stunden nach dem Start der Apollo-13-Crew explodierte einer der beiden Sauerstofftanks. Die Raumfähre befand sich zu diesem Zeitpunkt 300.000 Kilometer von der Erde entfernt; der Mond war nicht mehr weit entfernt. Durch die Explosion des Tanks wurde auch der zweite Tank beschädigt, weswegen nur noch Strom und Wasser für wenige Stunden produziert werden konnte, da es hierfür Sauerstoff brauchte. Die Besatzung entschied sich dazu, den Mond zu umkreisen und das Gravitationsfeld zu nutzen, um so genügend Schwung für die Rückreise zur Erde zu gewinnen.

Der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre bedurfte eines sekundengenauen Timings, da die Raumfähre ansonsten für immer in die unendlichen Weiten des Weltalls katapultiert worden wäre. Die Crew musste – mithilfe des Speedmaster-Chronographen – die Raketenzündung für exakt 14 Sekunden (mit maximal zehnprozentiger Fehlerabweichung) aktivieren. Dieser Drahtseilakt gelang den Astronauten und sie kehrten unversehrt zur Erde zurück. Ohne einen zuverlässigen Chronographen am Handgelenk wäre die Apollo-13-Mission jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tödlich verlaufen.

5. Omega fehlte das Zugpferd der Marke

Selbstverständlich kann man Omega nicht auf die Teilnahme an den Apollo-Missionen reduzieren. Auch die Seamaster-Serie ist eine äußerst erfolgreiche Kollektion. Doch ohne die einzigartige Geschichte der Moonwatch würde Omega nicht nur der Moonwatch-Mythos als unvergleichliches Alleinstellungsmerkmal fehlen, sondern auch das Zugpferd der Marke: Ein Blick in unsere Statistiken zeigt, dass die Speedmaster eine der meistverkauften Luxusuhren ist.

Nils Rau
Nils Rau

An upholder of justice in the world, our German editor Nils is a judge by profession, and a luxury watch enthusiast by passion. Much of his free time is dedicated to wristwatches by exploring watch blogs and online magazines, as well as keeping an eye out on the timepiece stock exchange market. His articles focus on brands, trends, as well as the philosophical questions within the world of fine watches.

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