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Kennen Sie das zweite Gesicht Ihrer Uhr? Lumineszenz: Wissenschaft einfach erklärt

Viele Uhrenmarken betonen die leuchtenden Zeiger und Indizes Ihrer Modelle bei Nacht – aber wie funktioniert dieses Phänomen? Wir beleuchten die Themen Phosphoreszenz, Radium und alle technischen Details rund um das Strahlen Ihrer Uhr. Erfahren Sie mehr und entdecken Sie Luxusuhren mit herausragender Lumineszenz!

Schon vor vielen Jahrzehnten forderten die Kommandeure von Streitkräften, dass ihre Soldaten in der Lage sein sollten, die Zeit auch bei Dunkelheit abzulesen. Seither erkundet die Uhrmacherkunst Lösungen für diese Anforderung. Da bei mechanischen Uhren, zu denen auch die heutigen Luxusuhren zählen, keine Elektrizität zum Einsatz kommt, besteht die technische Lösung in der Wahl bestimmter Chemikalien, die auf Zeiger und Zifferblatt aufgebracht werden – das Ergebnis ist ein faszinierendes Leuchtphänomen. Obwohl nachleuchtende Uhren zunächst dem Militär und professionellen Anwendern vorbehalten waren, haben sie sich mit der Zeit zu einem Mainstream-Phänomen und einem unter Sammlern vieldiskutierten Thema entwickelt.

Leuchtende Designs sind nicht nur auf die Uhrenindustrie beschränkt. In der Automobilbranche ist es das Aufflammen des Lichts, ausgelöst durch den Zündschlüssel, das für den Wow-Faktor sorgt – ob im Cockpit oder dank der Scheinwerfer von außen. Konfiguratoren für Autos haben schon längst nicht mehr nur das Interieur oder Exterieur im Blick, viele arbeiten mit einer dritten Dimension: Der Nachtansicht des Wagens, um die Beleuchtung zu demonstrieren. Aber auch in anderen Bereichen sind Lichtdesigns nicht mehr wegzudenken, sei es in der Technologie, bei Möbeln oder Inneneinrichutngskonzepten von Restaurants und Hotels. Wie so oft sind es Uhren, die in dieser Angelegenheit die längste Geschichte vorzuweisen haben. Doch wie funktioniert die Leuchtmasse bei hochwertigen Uhren?

Licht im Dunkel

Die Eigenschaft bestimmter chemischer Stoffe, Licht zu absorbieren und anschließend wieder abzugeben, nennt man Lumineszenz. Das Grundprinzip besteht darin, dass die von den Lichtphotonen übertragene Energie die empfangenden Atome „anregt“ und auflädt, sodass sie anschließend ihre eigenen Photonen abgeben. Bei manchen Stoffen geschieht dies innerhalb von Millisekunden – sie strahlen hell, während sie angestrahlt werden, dies nennt man Fluoreszenz. Andere Chemikalien wiederum geben auch sehr viel längere Zeit nach dem Entfernen der Lichtquelle weiterhin Licht ab. Dies nennt man Phosphoreszenz, und Stoffe mit dieser Eigenschaft werden als Leuchtstoffe oder Luminophore bezeichnet.

Das Atomzeitalter

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte man – aus heutiger Sicht nur schwer nachvollziehbar – kaum eine Vorstellung von den Gefahren der Radioaktivität. Nur kurze Zeit nach der Entdeckung des Radiums durch Marie Curie, aber noch bevor sie diese Entdeckung mit dem Leben bezahlte, wurde das hoch radioaktive Element bereits zu Leuchtfarbe verarbeitet und von Manufakturarbeiterinnen, die man von der Harmlosigkeit des Materials überzeugt hatte, auf Uhren aufgetragen.

Radiumfarbe ist ein hervorragender Leuchtstoff – die Strahlung selbst ist eine Energiequelle, die das Potenzial des üblicherweise beigemengten Zinksulfid-Leuchtstoffs deutlich steigert. Uhren mit Radiumfarbe wurden über viele Jahrzehnte getragen, bis die damit verbundenen Gefahren allgemein bekannt wurden, was zu einem kompletten Verbot im Jahr 1968 führte. Solche Uhren sind heute in Vintage-Sammlerkreisen sehr begehrt – zwar ist ihre Leuchtkraft mittlerweile verblasst, die über Tausende von Jahren weiter bestehende Radioaktivität lässt sich jedoch nach wie vor mit dem Geigerzähler nachweisen.

Sicherheit geht vor

Im Laufe der Jahre wurden zahlreiche Alternativen zum Radium erprobt. Für batteriebetriebene Uhren wurde das Prinzip der Elektrolumineszenz nutzbar gemacht – hier wird ein Leuchtstoff durch eine per Drücker ausgelöste elektrische Spannung angeregt. Technologien wie diese gelten jedoch als ungeeignet für mechanische Uhren.

Manche Hersteller verwenden anstelle von Radium Tritium, das ebenfalls radioaktiv ist, dabei aber weit weniger stark strahlt und keine Gefahr für den Träger darstellt, da es in Gasform in kleinen Röhrchen eingeschlossen ist. Tritium leuchtet hell und ungiftig, der Nachteil besteht jedoch in der Halbwertszeit von 12 Jahren, nach der es zu verblassen beginnt. Dennoch wird es heute erfolgreich von Marken wie Ball und Luminox verwendet.

Ein neues Licht

Ende des 20. Jahrhunderts nun fand man in Gestalt des unscheinbaren Strontiumaluminat eine neue Lösung. In vieler Hinsicht wirkte der neue Stoff wie ein Wunder. Anders als andere Leuchtstoffe benötigt Strontiumaluminat keine Energiequelle wie Strahlung oder Elektrizität. Es vermag schlicht und ergreifend, eine große Menge Licht zu absorbieren und wieder abzugeben. Es leuchtet buchstäblich von alleine im Dunkeln.

Was noch besser ist, es behält diese Eigenschaft, solange neues Licht zugeführt wird. Wie lange es tatsächlich dauert, bis es diese Eigenschaft verliert, vermag bisher niemand zu sagen, da es sich um eine recht neue Erfindung handelt, man kann jedoch sicher von mindestens mehreren Jahrzehnten ausgehen. Die einzige Einschränkung besteht in der Tat darin, dass es auf die Zufuhr neuen Lichts angewiesen ist. Radium und Tritium strahlen permanent, dieser nicht radioaktive und ungiftige Leuchtstoff verliert sein Leuchten hingegen nach etwa sieben Stunden.

Die Substanz wurde im Jahr 1993 in Japan entdeckt und ab 1998 unter dem illustren Namen Super-LumiNova vermarktet. Dieser Leuchtstoff setzte sich innerhalb kurzer Zeit praktisch in der gesamten Schweizer Uhrenindustrie durch und gilt bis heute als Branchenstandard.

Einige bemerkenswerte nachleuchtende Uhren:

Panerai Radiomir 8 Days Ceramica

Panerai hat eine besondere Beziehung zu Armbanduhren mit Leuchtmasse, denn der Hersteller zählt zu den Erfindern der Leuchtfarbe auf Radiumbasis. Bereits im Jahr 1916, lange vor der Herstellung eigener Uhrenmodelle, meldete das Unternehmen ein Patent hierfür an. Die Serie Radiomir ist nach diesem ursprünglich verwendeten Leuchtstoff benannt, heutzutage wird jedoch wie auch bei dieser beeindruckenden Uhr mit Keramikgehäuse Super-LumiNova verwendet.

TAG Heuer Formula 1 Calibre 16

Hier handelt es sich um ein exzellentes neues Modell aus der beliebten Formula 1 Serie von TAG Heuer. Die fantastische Sportuhr besticht durch nicht nur durch ein mechanisches Schweizer Uhrwerk, sondern auch durch einen besonders eleganten Look. Bei Dunkelheit fasziniert ihr ausdrucksstarke Leuchten.

Omega Speedmaster Dark Side of the Moon

Die Dark Side of the Moon ist eine Variante der beliebten Speedmaster, die für ihre Hightech-Materialien bekannt ist – darunter das Gehäuse aus Zirkoniumoxidkeramik und die Tachymeterlünette aus Chromnitrat. Omega-Fans wissen besonders die hochwertige LumiNova-Ausstattung zu schätzen, die perfekt zur Weltraum-Thematik passt.

Rolex Submariner Date

Die Sub ist die wohl berühmteste und meistbegehrte Taucheruhr der Welt. Taucheruhren an sich wiederum sind das beste Beispiel für Uhren, bei denen die Leuchtmasse wirklich zählt. Rolex verwendet als Leuchtmittel die Eigenmarke „Chromalight“, die qualitativ auf einer Stufe mit Super-LumiNova steht (es wird sogar spekuliert, dass sich beide Substanzen gleichen).

Breitling Superocean 44 Special

Zwar ist Breitling in erster Linie als Fliegeruhrenmarke bekannt, jedoch hat sich die Superocean als beliebtes Erfolgsmodell erwiesen. Die zuverlässige und attraktive Uhr weiß nicht zuletzt durch ihre hervorragende Ablesbarkeit zu gefallen, die dank der markanten Zeiger und Indizes besonders bei Dunkelheit fasziniert.

John Wallis
John Wallis

Living and working in London, John has been writing about watches since graduating university. He got his start at SalonQP, London's finest watch show, where he was inspired by the breadth and creativity of the modern industry. His fascination with mechanical horology has only grown from there.

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