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Eine Messe strauchelt – Was bleibt vom Mythos Baselworld?

2018 war kein gutes Jahr für die Baselworld: In regelmäßigen Abständen verkündeten verschiedene Manufakturen, künftig nicht mehr auf der weltweit größten Uhrenmesse auszustellen. Es folgten ein Personalwechsel und vor allem eine Menge Spekulationen um die Zukunft. Nun steht die nächste Baselworld direkt vor der Tür. Lesen Sie weiter und erfahren Sie, was wir von der März-Messe erwarten können.

Eine Messe mit immer weniger Bedeutung?

Bereits im letzten Jahr musste sich die Baselworld drastisch verkleinern: Statt 1300 Ausstellern im Vorjahr verzeichnete die Messe im Jahr 2018 nur noch 650 Aussteller. Und nachdem die legendäre März-Messe vorüber war, folgten zahlreiche Mitteilungen verschiedener Uhrenmanufakturen und -konzerne, künftig Abstand von der Baselworld zu nehmen.

Fest steht: Es ist nicht nur die Strategie der Baselworld, die für diese Abwärtsspirale verantwortlich ist. Es ist auch das Konzept „Messe“ selbst. Denn während die letzten Jahrzehnte geprägt waren von gigantischen Alleskönnern, scheinen die nächsten Jahre vielmehr den spezialisierten Einzelkonzepten zu gehören – es gilt Spezialismus statt Generalismus. Dieses Phänomen lässt sich auch bei den großen Kaufhausketten beobachten: Diese waren in den letzten Jahrzehnten begehrte Alleskönner. Doch heute kämpfen diejenigen Kaufhäuser, die überhaupt noch existieren, um ihr Überleben. Der Grund hierfür liegt unter anderem im Internet, das uns daran gewöhnt hat, sämtliche Waren jederzeit zur Verfügung zu haben. Erfolgreich sind hingegen Geschäfte für genaue Bedürfnisse oder Wünsche, die mit individuellen Konzepten Erlebnisse bieten und Kunden aufgrund ihrer Spezialisierung eine Nische bieten, für die es sich überhaupt lohnt, das Geschäft zu betreten.

Selbstverständlich trifft diese Entwicklung nicht nur die Baselworld, sondern auch andere Messen. Doch gerade in Kombination mit der oft kritisierten Messepolitik ist die Baseler Messe besonders betroffen.

Muss sich die Baselworld neu erfinden?

Wenn die Baselworld weiterhin die erfolgreichste Messe bleiben will, dann bedarf es grundlegender Veränderungen. Zunächst ist die konkrete Politik der Messeleitung selbst betroffen: Immer wieder wurde kritisiert, dass die Aussteller sehr hohen Auflagen ausgesetzt sind, die Standkosten Jahr für Jahr teurer werden und die Betreibergesellschaft MCH nur eine ganz geringe Kompromissbereitschaft an den Tag legt. Dies ging viele Jahre gut, da die Baselworld eine Monopolstellung in der Welt der Uhrenmessen hatte. Doch die letzten Jahre zeigen, dass die Fassade der Baselworld allmählich bröckelt.

Auf der anderen Seite muss sich die Messe aber vor allem dem neuen Zeitgeist anpassen. Generell lässt sich sagen, dass dies vor allem durch eine flache, horizontalere Ausrichtung erreicht werden kann. Der Genfer Konkurrent SIHH macht es vor: Wenn beide Messen miteinander verglichen werden, dann ist immer wieder davon die Rede, dass die Atmosphäre des SIHH durch ihren unaufgeregten, charmanten Charakter beeindruckt. Im Zusammenhang mit dem SIHH fällt immer wieder das Stichwort „Rundum-Sorglos-Paket“. In Basel muss man sich also vor allem um die Besucher kümmern und die Messe zu einem Erlebnis machen. Wer aktuell als Besucher auf die Messe kommt, der kann in der Regel nichts anderes tun als über die Messewege zu spazieren und einen Blick in die Schaufenster der Hersteller werfen. Zu den Messeständen selbst erhält in aller Regel nur die Presse Zugang.

Swatch Group: der größte Verlust

Als die Swatch Group im Juli des letzten Jahres verlauten ließ, die Baselworld zu verlassen, kam vielerorts zum ersten Mal die ernsthafte Befürchtung auf, dass die Baselworld vor dem Aus steht. Die Swatch Group vereint 18 Marken und war der größte Aussteller auf der Baselworld. Ab diesem Jahr werden legendäre Uhrenmarken wie Breguet, Blancpain, Glashütte Original, Omega, Longines, Mido, Hamilton und Swatch nicht mehr in Basel ausstellen.

Neben einem Attraktivitätsverlust bedeutet dies für die Messe aber auch den Wegfall einer zentralen Einnahmequelle. Die Baselworld ist somit in einer äußerst unangenehmen Situation, denn der Wegfall der finanziellen Mittel darf in keinem Fall durch weitere Preiserhöhungen für Aussteller kompensiert werden. Auch wenn die Uhrenindustrie im Jahr 2018 positive Zahlen hervorgebracht hat, würde das Baselworld-Management mit dieser Entscheidung Öl ins Feuer gießen, die Kritik an der Messeleitung ignorieren und die Absage weiterer Uhrenmanufakturen riskieren.

Trotz der Absage der Swatch Group ist das Interesse an der Baselworld nach wie vor riesig, allein schon wegen der Präsenz der wichtigsten Uhrenhersteller Rolex und Patek Philippe. Es wird keinen Uhrenjournalisten geben, der allein wegen der Abwesenheit der Swatch Group beschließt, im März nicht mehr nach Basel zu fahren. Vor diesem Hintergrund ist es möglich, dass sich der Fokus mehr in Richtung unbekannter Marken verschiebt und die Baselworld – eine entsprechende Änderung des strategischen Blickwinkels vorausgesetzt – die schwindende Dominanz der Big Player zu nutzen weiß und die Messe somit ein Stück mehr in Richtung des nunmehrigen Zeitgeists lenkt.

Ist die Baselworld 2019 noch relevant?

In jedem Fall ist die Baselworld noch relevant. Nach wie vor sind zahlreiche Uhrenmanufakturen in Basel vertreten. Bei all der Kritik und den Negativprognosen wird oftmals vergessen, dass die Baselworld noch immer die weltweit größte und wichtigste Uhrenmesse ist. Es besteht aktuell eben nur die Gefahr, dass sich dies innerhalb der kommenden Jahre ändern wird.

Neben Rolex und Patek Philippe wird in diesem Jahr auch wieder der LVMH-Konzern auf der Messe vertreten sein – Wir dürfen also auch auf Neuheiten von TAG Heuer, Zenith und Hublot gespannt sein.

Nils Rau
Nils Rau

An upholder of justice in the world, our German editor Nils is a judge by profession, and a luxury watch enthusiast by passion. Much of his free time is dedicated to wristwatches by exploring watch blogs and online magazines, as well as keeping an eye out on the timepiece stock exchange market. His articles focus on brands, trends, as well as the philosophical questions within the world of fine watches.

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